Wednesday, October 26, 2022

Boeing: Rüstungsgeschäft brockt Flugzeugbauer weiteren Milliardenverlust ein

DER SPIEGEL Boeing: Rüstungsgeschäft brockt Flugzeugbauer weiteren Milliardenverlust ein Alexander Preker - Vor 1 Std. Der US-Luftfahrtkonzern Boeing schreibt wegen deutlich höherer Kosten rote Zahlen. Trotz hoher Nachfrage bereitet vor allem die Rüstungssparte Probleme – besonders der Bau zweier bekannter Regierungsmaschinen. Boeing-Chef Dave Calhoun, wirkte bei der Vorlage der neuesten Geschäftszahlen zerknirscht. Er musste einräumen, dass »die Kritiker recht hatten«, als sie 2018 den 3,9 Milliarden Dollar schweren Auftrag zum Bau zweier neuer Air-Force-One-Maschinen für US-Präsidenten anzweifelten. Calhouns Vorgänger Dennis Muilenburg hatte damals Präsident Donald Trump versichert, dass die Kosten vier Milliarden Dollar nicht überschreiten würden. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Man habe einen zu niedrigen Preis vereinbart, sagte Calhoun nun dem Sender CNBC. Zu allem Überfluss ist man auch noch mehrere Jahre in Verzug. Auch wegen der Regierungsmaschinen meldet der Konzern im dritten Quartal nun Milliardenlöcher. Gestiegene Kosten und technische Probleme bei einem Tankflugzeug für die US-Luftwaffe, einer Tarnkappendrohne und einem Schulflugzeug führten ebenfalls zu einem Quartalsverlust von insgesamt 3,3 Milliarden Dollar, wie Boeing mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte sich das Minus auf lediglich 132 Millionen Dollar belaufen. Staatsaufträge scheinen für Boeing zur Last zu werden. Ausgerechnet das weltpolitisch derzeit gefragte Militärgeschäft bereitet dem Flugzeughersteller Probleme. »Umschwünge brauchen Zeit«, teilte der Boeing-Chef mit Blick auf die Dauerkrise beim Airbus-Konkurrenten mit. »Aber ich habe Vertrauen in unser Team und die Maßnahmen, die wir für die Zukunft ergreifen«, schrieb Calhoun in einem Memo an die Beschäftigten. Konzernweit legten die Erlöse im dritten Quartal nur um vier Prozent auf knapp 16 Milliarden Dollar zu. Die Erlöse der Rüstungs- und Raumfahrtsparte brachen dabei um ein Fünftel auf 5,3 Milliarden Dollar ein. Großauftrag von Alaska Air Nicht nur die Rüstungssparte, auch das Geschäft mit Passagier- und Frachtflugzeugen für die kommerzielle Luftfahrt blieb im dritten Quartal in der Verlustzone – obwohl der Umsatz hier dank deutlich gestiegener Auslieferungszahlen im Jahresvergleich um 40 Prozent wuchs. Boeing kämpft hier seit zwei Abstürzen von Maschinen seiner wichtigen Modellreihe 737 Max aufgrund technischer Fehler, bei denen 2018 und 2019 insgesamt 346 Menschen starben, mit immer neuen Problemen. Insgesamt verfehlte Boeing damit klar die durchschnittlichen Erwartungen von Branchenexperten. Die Aktie geriet vorbörslich leicht ins Minus. Mit einem Großauftrag der Fluggesellschaft Alaska Air für 52 Boeing 737 Max gab es am Mittwoch aber immerhin auch eine kleine positive Nachricht. In den vergangenen Jahren hatte Boeing vor allem wegen der Probleme mit seinen Passagierflugzeugen immer wieder Verluste in Milliardenhöhe erlitten. Der europäische Konkurrent Airbus hatte dem einstigen Weltmarktführer bereits 2019 die Position als weltgrößter Flugzeugbauer abgejagt.