Wednesday, October 26, 2022
Tech-Giganten zeigen Schwächen
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Tech-Giganten zeigen Schwächen
Roland Lindner - Gestern um 20:18
Trübe Stimmung: Amerikas Tech-Giganten sind schnelles Wachstum und hohe Gewinne gewohnt, doch nun zeigen alle Schwächen.
Die schlechten Nachrichten aus der Technologiebranche setzen sich fort: Die Alphabet-Holding um den Internetkonzern Google hat deutlich schlechtere Quartalszahlen vorgelegt als erwartet. Das Wachstum im Werbegeschäft hat sich erheblich abgeschwächt, die Videoseite Youtube erlitt sogar einen Umsatzverlust. Der Softwarekonzern Microsoft enttäuschte mit seinem Ausblick. Er sagte eine Abschwächung des Umsatzwachstums bei Azure voraus, seinem Vorzeigeprodukt im Geschäft mit Cloud-Computing. Die Börse zeigte sich mit beiden Unternehmen unzufrieden. Die Aktienkurse von Alphabet und Microsoft notierten am Mittwoch im Handelsverlauf jeweils fast 7 Prozent im Minus.
Alphabet meldete insgesamt für das dritte Quartal ein Umsatzwachstum um 6 Prozent auf 69,1 Milliarden Dollar – währungsbereinigt hätte es ein Plus von 11 Prozent gegeben. Analysten hatten im Schnitt mit 70,6 Milliarden Dollar gerechnet. Es war die schlechteste Entwicklung seit dem zweiten Quartal 2020, als der Konzern inmitten der Corona-Pandemie einen ungewöhnlichen Umsatzrückgang hinnehmen musste. Alphabets Nettogewinn fiel in den vergangenen drei Monaten um 27 Prozent auf 13,9 Milliarden Dollar.
Der weitaus größte Teil des Alphabet-Umsatzes entfällt bis heute auf Onlinewerbung, und nach Angaben des Unternehmens haben einige Werbekunden im jüngsten Quartal ihre Budgets gekürzt, etwa Finanzdienstleister. Die größte Schwachstelle war Youtube. Hier fielen die Werbeumsätze um zwei Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar. Dies ist der erste Rückgang, seit Alphabet vor knapp drei Jahren damit begann, separate Zahlen für die Videoplattform auszuweisen. Neben dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld leidet der Dienst auch unter verstärkter Konkurrenz von Tiktok. Um dem aufstrebenden Wettbewerber Paroli zu bieten, hat Youtube selbst eine vergleichbare Plattform für Kurzvideos namens Shorts gestartet. Erst im September kündigte das Unternehmen an, hier künftig auch Werbung zu schalten.
Krisensicheres Geschäft
Kern des Werbegeschäfts von Google bleiben Anzeigen, die neben Ergebnisse der namensgebenden Suchmaschine gestellt werden. Dieses Geschäft gilt eigentlich auch in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten als vergleichsweise robust, aber auch hier gab es diesmal eine deutliche Abschwächung. Die Sparte, zu der Suchanzeigen gehören, verbuchte ein für ihre Verhältnisse sehr niedriges Umsatzwachstum von 4 Prozent auf 39,5 Milliarden Dollar. Evelyn Mitchell von der Marktforschungsgruppe Insider Intelligence nannte die Alphabet-Zahlen ein „schlechtes Omen“ für das gesamte Segment der Onlinewerbung. In der vergangenen Woche hatte auch schon der Internetkonzern Snap, der das soziale Netzwerk Snapchat betreibt und seine Umsätze vor allem mit Werbung erzielt, schwache Quartalszahlen vorgelegt.
Ein Lichtblick für Alphabet war das Geschäft mit Cloud-Computing, dessen Umsätze um 38 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar zulegten, das aber bisher Verluste bringt. Der Konzern hat in den vergangenen Monaten mit Blick auf die allgemeine wirtschaftliche Eintrübung schon angekündigt, stärker auf seine Kosten achten zu wollen. Anders als etwa Snap hat er bislang aber keinen größeren Personalabbau veranlasst, und im dritten Quartal hat er sein Personal sogar um mehr als 12 000 Mitarbeiter ausgeweitet. Finanzchefin Ruth Porat sagte aber in einer Telefonkonferenz, im Schlussquartal werde es weniger als halb so viele Einstellungen geben.
Auch Microsoft tritt auf die Kostenbremse. Der Konzern sagte jetzt, er wolle Investitionen auf „Schlüsselgebiete“ konzentrieren, und im vierten Quartal werde die Zahl der Mitarbeiter nur „minimal“ wachsen. Microsoft hat zuletzt schon zwei kleinere Runden von Stellenstreichungen veranlasst. Die Zahlen für das vergangene Quartal waren insgesamt etwas besser als erwartet. Der Umsatz stieg um 11 Prozent auf 50,1 Milliarden Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit 49,6 Milliarden Dollar gerechnet. Dies war allerdings das niedrigste Wachstum seit mehr als fünf Jahren. Der Nettogewinn fiel um 14 Prozent auf 17,6 Milliarden Dollar. Als schlechte Nachricht wurde gewertet, dass sich das Wachstum im Cloud-Geschäft etwas abgeschwächt hat. Der Umsatz mit der Cloud-Plattform Azure stieg zwar noch immer um stattliche 35 Prozent, im vorangegangenen Quartal waren es aber noch 40 Prozent. Finanzchefin Amy Hood sagte außerdem für das kommende Quartal einen weiteren Rückgang beim währungsbereinigten Umsatzwachstum für Azure von 5 Prozentpunkten voraus.