Tuesday, October 25, 2022

Iran: Schulbehörden nehmen körperliche Durchsuchung bei Schülerinnen vor

DER SPIEGEL Iran: Schulbehörden nehmen körperliche Durchsuchung bei Schülerinnen vor Francesco Collini - Gestern um 18:35 Die Behörden der Schahid-Sadr-Mädchenschule in Teheran sollen Schülerinnen körperlich durchsucht haben, um zu prüfen, ob sie Handys dabeihatten. Bei Protesten wurden ihre Eltern von Sicherheitsbeamten attackiert. Iran: Schulbehörden nehmen körperliche Durchsuchung bei Schülerinnen vor Die Behörden einer Mädchenschule in Teheran sollen Schülerinnen verprügelt und eine körperliche Durchsuchung vorgenommen haben. »Schülerinnen der Schahid-Sadr-Mädchenschule in Teheran wurden angegriffen, einer Leibesvisitation unterzogen und verprügelt«, meldete die Aktivistengruppe 1500tasvir, die regelmäßig über die Proteste und die Polizeigewalt in Iran berichtet, nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP. Mindestens eine Schülerin wurde laut 1500tasvir ins Krankenhaus eingeliefert. Die Schulbehörden wollten Medienberichten zufolge prüfen, ob die Schülerinnen Handys mit in die Schule gebracht hatten, was in Iran verboten ist. Später hätten die Eltern der Mädchen vor der Schule protestiert und seien von Sicherheitsbeamten mit Tränengas angegriffen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. In sozialen Medien sind Videos zu sehen, die angeblich das Chaos in der Schule dokumentieren. Der Vorfall hat am Dienstag zu weiteren Protesten von Studierenden geführt. »Ein Student mag sterben, aber er akzeptiert keine Demütigung«, skandierten Studenten der Schahid-Tschamran-Universität in Ahvas im Südwesten des Landes in einem von der Nachrichtenagentur AFP verifizierten Onlinevideo. Weitere Onlinevideos zeigten Protestierende an der Beheschti-Universität und der Chaje-Nasir-Toosi-Universität in Teheran. Regierungssprecher erneut ausgebuht In der religiösen Hochburg Ghom haben Studierende einen Sprecher der Regierung ausgebuht. Bei dem Besuch des Regierungssprechers Ali Bahadori Dschahromi an einer Universität riefen die Studierenden Sprechchöre, wie die iranische Zeitung »Hammihan« am Dienstag berichtete. Auch der Slogan »Frau, Leben, Freiheit« sei gerufen worden. Die Stadt Ghom südlich der Hauptstadt Teheran gilt als schiitisches Zentrum der religiösen Elite in Iran. Bereits am Dienstag war Dschahromi von Studierenden in Teheran ausgebuht worden. Auslöser der systemkritischen Proteste in Iran war der Tod der 22 Jahre alten iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini. Die Moralpolizei hatte sie festgenommen, weil sie gegen die islamischen Kleidungsvorschriften verstoßen haben soll. Die Frau starb am 16. September in Polizeigewahrsam. Seit ihrem Tod demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie das islamische Herrschaftssystem. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten wurden Zehntausende Menschen verhaftet und mindestens 250 getötet. Demonstranten rufen zu weiteren Protesten auf Knapp 40 Tage nach Aminis Tod haben Demonstranten zu weiteren Protesten aufgerufen. »Es ist keine Zeit für Trauer, sondern für Wut«, hieß es auf einem im Netz geteilten Protestaufruf für Mittwoch. Im schiitischen Iran wird nach dem Tod eines Familienmitglieds traditionell 40 Tage lang getrauert. Die Sicherheitsbehörden rüsten sich deshalb nun für landesweite Proteste. Bisher haben sie die Demonstrationen gewaltsam niedergeschlagen. Beobachter erwarten für Mittwoch dennoch wieder Menschenmassen auf den Straßen.