Thursday, December 9, 2021
Auch Lauterbach äußert sich: Biontech stellt Studie zu Impfschutz vor Omikron vor
Kölner Stadt-Anzeiger
Auch Lauterbach äußert sich: Biontech stellt Studie zu Impfschutz vor Omikron vor
Sebastian Hahn - Gestern um 13:48
Das Mainzer Unternehmen Biontech hat erste vorläufige Ergebnisse einer Studie zur Wirksamkeit des eigenen Corona-Impfstoffs gegen die neue Omikron-Variante veröffentlicht. Am Mittwoch teilte das Unternehmen aus Mainz mit, dass zweifach Geimpfte deutlich schlechter gegen die Omikron-Variante geschützt seien, da bei Testpersonen deutlich geringere Mengen an neutralisierenden Antikörpern gefunden worden seien.
In einer neuen Studie wurde die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen Omikron überprüft.
Nach der dritten Dosis, also der Booster-Impfung, habe sich die Menge im Vergleich zur Doppel-Impfung um das 25-Fache erhöht. „Diese ersten Daten lassen darauf schließen, dass eine Auffrischungsimpfung einen ausreichenden Schutz gegen eine durch die Omikron-Variante ausgelöste Erkrankung jeglicher Schwere bieten kann“, wird Biontech-Gründer Uğur Şahin in der Mitteilung zitiert.
Weitere Studien zur Wirksamkeit des Impfstoffs veröffentlicht
Zuvor hatten zwei Studien zur Wirksamkeit der bisher zugelassenen Impfstoffe gegen die neue Omikron-Variante des Coronavirus' nahegelegt, dass die Entwicklung eines abgewandelten Impfstoffs sinnvoll sei. Eine entsprechende Studie veröffentlichte die deutsche Virologin Dr. Sandra Ciesek am Mittwoch. Demnach liege die Zahl der neutralisierenden Antikörper gegen die Omikron-Variante des Virus nach sechs Monaten bei zwei Impfungen mit Biontech, Moderna oder einer Kreuzimpfung mit AstraZeneca und Biontech bei nahezu null Prozent.
Bei Personen, die zweimal mit Biontech geimpft und anschließend mit dem selben Impfstoff geboostert wurden, liegt die Neutralisation drei Monaten nach dem Booster ebenfalls nur noch bei 25 Prozent. Bei der Delta-Variante läge diese zum selben Zeitpunkt bei 95 Prozent. Die neutralisierenden Antikörper sind in der Lage, das Virus zu bekämpfen und tragen im Wesentlichen zu einem hohen Impfschutz bei, sind aber nicht mit diesem gleichzusetzen.
Omikron: Neutralisierende Antikörper gegenüber Delta deutlich reduziert
Ciesek twitterte, dass einige gebildete Antikörper gegen das Virus wirkungslos sind, eine Entwicklung eines abgewandelten Impfstoffs werde empfohlen. Die Studie könne allerdings keine Aussage über die Schwere des Verlaufs bei der Infektion mit der Omikron-Variante treffen.
Der Neutralisationsfaktor bei der Omikron-Variante im Vergleich zur Delta-Variante wäre damit um das bis zu 37-Fache reduziert. „Die Studie ist keine gute Nachricht für zweifach geimpfte Menschen. Eine dritte Dosis wird notwendig sein“, twitterte Virologe Dr. Christian Drosten mit Bezug auf Cieseks Studie. Drosten betonte aber auch nochmal, dass eine 37-fache Reduktion nicht gleichbedeutend mit einem ähnlichen Effekt beim Impfschutz sei: „Im Moment ist Dreifachimpfung der beste Schutz. Neue Impfstoffe erst nach der Winterwelle. Nicht warten, sondern boostern“, twitterte der Virologe der Berliner Charité.
Karl Lauterbach macht sich für Booster-Impfung stark
Auch SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach meldete sich am Mittwoch zu Wort und setzte sich für Booster-Impfungen ein: „Die Daten zur Gefahr durch die Omicron Variante werden mehr und klarer. Trotzdem gilt nach allem was wir bisher an Erkenntnissen haben, dass Booster-Impfungen einen guten Schutz liefern. Auf jeden Fall vor schwerer Krankheit. Wahrscheinlich auch vor Infektion. Das muss Ziel sein.“
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie aus Südafrika, auf die Alex Sigal, Professor am Africa Health Research Institute, hinweist. Die Neutralisierung von Omikron habe im Vergleich zu einem früheren Covid-Stamm sehr stark abgenommen, schreibt er. Die Wirkung eines Boosters hat Sigal aber laut „Tagesspiegel“ noch nicht untersucht.
Ciesek: Antigen-Schnelltest wirksam auch bei Omikron
Eine gute Nachricht gibt es dagegen bei den Antigen-Schnelltests. Diese sollen laut Ciesek nach wie vor funktionieren, in einem ersten Versuch schlugen die Test drei verschiedener Hersteller bei der Omikron-Variante ebenfalls an und lieferten ein positives Ergebnis.
US-Virologe und Gesundheitsberater von Präsident Joe Biden, Anthony Fauci, schätzte die Omikron-Variante dagegen nicht so gefährlich ein wie die derzeit überwiegend grassierende Delta-Variante: „Es ist nahezu sicher, dass sie nicht schlimmer ist als Delta“, erklärte Fauci am Dienstag. In Südafrika sei bei einer Studie gezeigt worden dass, „das Verhältnis zwischen der Zahl der Infektionen und der Zahl der Krankenhausaufenthalte wohl geringer ist als bei Delta.“ Fauci bezieht sich damit offenbar auf die Verläufe der Krankheit und nicht auf den Impfschutz.
Ein Experte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält es für „höchst unwahrscheinlich“, dass die neue Omikron-Variante des Coronavirus den Schutz von Impfstoffen komplett aushebeln könnte. „Wir haben hochwirksame Impfstoffe, die sich bisher gegen alle Varianten als wirksam erwiesen haben, was schwere Erkrankungen und Krankenhausaufenthalte angeht“, sagte der Leiter der WHO-Notfallabteilung, Michael Ryan, der Nachrichtenagentur afp. (shh)