Saturday, March 19, 2022

Auf Leben und Tod: Warum immer mehr Ukrainerinnen im Krieg mitkämpfen!

Berliner Kurier Auf Leben und Tod: Warum immer mehr Ukrainerinnen im Krieg mitkämpfen! AP - Vor 11 Std. Mehr als drei Millionen Menschen sind bereits vor dem Krieg aus der Ukraine geflohen. Doch auch in die andere Richtung, ins Kriegsgebiet, zieht es eine zwar kleine, aber wachsende Zahl von Menschen. Erst waren es vor allem Männer, Ukrainer, die im Ausland leben und zur Verteidigung ihrer Heimat oder zur Versorgung ihrer Angehörigen zurückgekehrt sind. Und inzwischen schließen sich zunehmend auch Frauen an. „Ich will zurückgehen und helfen“, sagt Irina Orel, als sie in der polnischen Stadt Przemysl den Zug Richtung Osten, nach Lwiw in der Ukraine, besteigt. „Ich arbeite im Gesundheitswesen, und die Krankenhäuser brauchen Hilfe“, erklärt die 50-Jährige. „Und ich werde bis zum Ende bleiben.“ Sie sehe ihren Beitrag bei der Versorgung von Kranken und Verletzten, sagt Orel. Andere Frauen wollten aber auch zu den Waffen greifen. „Frauen können kämpfen“, betont sie. „Viele Frauen sind patriotisch und wollen die Ukraine verteidigen – warum nicht?“ Seit Beginn des russischen Einmarsches am 24. Februar haben allein die polnischen Grenzschützer rund 195.000 Ausreisen in die Ukraine gezählt. Bei mehr als 80 Prozent handele es sich um ukrainische Staatsangehörige, erklärt Sprecherin Anna Michalska. Das sind allerdings nicht nur im Westen lebende Menschen, die jetzt ins Kriegsgebiet ziehen, sondern auch Ukrainer, die ihre Angehörigen über die Grenze bringen und selbst wieder zurückkehren oder die sich in Polen mit Lebensmitteln und anderen lebenswichtigen Gütern versorgen. Männer im kampffähigen Alter dürfen die Ukraine nicht verlassen. Daher sind der Großteil der Flüchtlinge Frauen und Kinder. Laut James Elder, Sprecher des UN-Kinderhilfswerks Unicef, waren bis Wochenbeginn schon 1,4 Millionen Kinder geflüchtet. Das seien im Durchschnitt 55 pro Minute, sagt Elder. „Damit sind wir – seit Kriegsbeginn am 24. Februar – fast bei einem aus der Ukraine geflohenen Kind jede Sekunde.“ Immer wieder bringen auch Mütter ihre Kinder an oder über die Grenze und kehren selbst in der Ukraine zurück. Sie wollen nicht weichen und bei der Verteidigung ihrer Heimat helfen, ob im Lindern der Not oder an der Waffe. Andere kommen von außen dazu, oft mit Hilfslieferungen, vielfach aber auch einfach mit der Entschlossenheit, ihren Teil für die Ukraine beizutragen. Jetzt auch lesen: Versteckt Kremlchef Wladimir Putin seine Geliebte und die vier Kinder in der Schweiz? Was genau sie tun kann, weiß Olga Simanowa noch nicht. Die 56-Jährige kommt aus Deutschland und nennt als Reiseziel Winnyzja, die Heimatstadt ihrer Familie. „Wir haben vor, zur Familie zurückzukehren und wir werden zusammen mit der Familie entscheiden, wie es weitergeht“, erklärt die 56-Jährige. Maria Chaliza aus Italien ist auf dem Weg nach Kiew. „Ich kehre in die Ukraine zurück, um Menschen bei der Evakuierung zu helfen“, sagt sie und sieht sich innerlich gewappnet: „Ich bin im Moment stabiler als meine Freunde, die mit Raketenbeschuss und Bomben leben müssen.“ Sie fürchte aber, dass die russischen Truppen Kiew einnehmen werden, sagt Chaliza. „Wir nutzen die letzte Chance, anderen zu helfen.“ Irina Orel ist unterdessen von Polen über Lwiw weiter in den Süden der Ukraine gefahren. Von der Hafenstadt Odessa aus berichtet sie am Telefon, wie ihr Sirenen, Bombenalarm und der Knall von Explosionen anfangs Angst eingejagt haben. Aber sie bleibt entschlossen, ihre Dienste für Kranke und Verletzte anzubieten. „Dazusitzen und vor Angst zu zittern, hilft nicht“, sagt sie.