Wednesday, September 27, 2023
London hält zeitnahe russische Offensive für weniger wahrscheinlich
WELT
London hält zeitnahe russische Offensive für weniger wahrscheinlich
37 Min.
Zeitweise war mit einer größeren russischen Offensive an der nordöstlichen Front gerechnet worden – für die fehlt Russland aber womöglich die Kraft. Und: Der frühere ukrainische Box-Weltmeister Wladimir Klitschko sieht derzeit keinerlei Chancen, mit Russland über Frieden zu verhandeln. Mehr im Liveticker.
London hält zeitnahe russische Offensive für weniger wahrscheinlich
Eine russische Offensive im Angriffskrieg gegen die Ukraine ist derzeit nach Ansicht britischer Militärexperten durch den Einsatz bislang ungebundener Truppen weniger wahrscheinlich geworden. Das geht aus dem täglichen Geheimdienstbericht des Verteidigungsministeriums in London am Mittwoch hervor.
Demnach hat Moskau wohl Teile seiner neu gegründeten 25. Armee erstmals im Kampf westlich der Städte Sjewjerodonezk und Kreminna eingesetzt. „Seit Beginn der Invasion hat Russland nur selten eine nicht gebundene Gruppe von der Größe einer Armee zurückgehalten, die potenziell die Grundlage eines großen neuen offensiven Vorstoßes bilden könnte“, hieß es in der Mitteilung der Briten. Doch mit dem Einsatz von Teilen der 25. Armee, um ausgedünnte Reihen an der Front zu verstärken, sei eine konzertierte neue russische Offensive in den kommenden Wochen weniger wahrscheinlich.
Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine im Februar 2022 täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Moskau wirft London Desinformation vor.
Alle Entwicklungen im Liveticker:
07:47 Uhr – Verkehr auf Krim-Brücke läuft nach kurzer Unterbrechung wieder
Der Autoverkehr auf der Krim-Brücke läuft wieder. Es gebe nach einer kurzen Unterbrechung am Morgen in keiner Richtung Staus, teilen die russischen Behörden auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Häufig wird der Verkehr auf der Auto- und Eisenbahnbrücke, die die annektierte Halbinsel Krim und das russische Festland verbindet, wegen ukrainischer Drohnen-Angriffe gestoppt.
Die 19 Kilometer lange Brücke ist für die Versorgung der russischen Truppen auf der Krim und in der zum großen Teil besetzten Oblast Cherson im Süden der Ukraine wichtig. Das Bauwerk, ein von Präsident Wladimir Putin selbst eingeweihtes Prestige-Projekt, wurde bereits mehrfach angegriffen und teils erheblich beschädigt. Im Oktober 2022 kam es zu einer ersten Explosion auf der Brücke, die dabei teils erheblich beschädigt wurde.
04:53 Uhr – Estlands Regierungschefin hält höhere Verteidigungsausgaben in der Nato für nötig
Estlands Regierungschefin Kaja Kallas hat die anderen Nato-Staaten zu einer deutlichen Erhöhung ihrer Verteidigungsausgaben nach dem Vorbild der baltischen Republiken ermuntert. Sie verwies auf ihr eigenes Land, das diesen Etatposten im kommenden Jahr auf 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöhen werde. „Und das ist etwas, für das ich auch auf Ebene der Nato werbe“, sagte Kallas am Rande der baltischen Sicherheitskonferenz. Dort wird am Mittwoch in der estnischen Hauptstadt Tallin über die regionale Sicherheitslage nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine beraten.
„Schauen sie auf das Jahr 1988, als alle Nato-Verbündeten mehr als zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung ausgaben. Und warum? Weil sie die Gefahr als ernsthaft betrachteten. Nun aber ist die Gefahr größer als während des Kaltes Krieges, weil der Krieg nach Europa zurückgekehrt ist“, sagte sie.
Verteidigungsminister Boris Pistorius wird am Mittwoch an der Sicherheitskonferenz teilnehmen. Erwartet wird, dass der SPD-Politiker den weiteren Kurs Deutschlands in der Sicherheitspolitik absteckt. An dem Treffen („Annual Baltic Conference on Defence/ABCD“) nehmen Vertreter der baltischen Republiken sowie aus weiteren Nato-Staaten und aus der Ukraine teil. Die Rede des Ministers ist auch Abschluss seines dreitägigen Besuchs in Lettland und Estland.
04:28 Uhr – Wladimir Klitschko: Keine Chance für Friedensgespräche mit Russland
Der frühere ukrainische Box-Weltmeister Wladimir Klitschko sieht derzeit keinerlei Chancen, mit Russland über Frieden zu verhandeln. „Verhandlungen mit wem, mit Russland, mit Putin, Lawrow, mit wem?“, beantwortete der 47-Jährige am Dienstag in der ZDF-Sendung von Markus Lanz eine entsprechende Frage.
Der Bruder von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko fügte hinzu: „Das sind Lügner, die haben die Welt belogen Jahrzehnte mit ihrer Propaganda.“ Klitschko fragte weiter, worüber man mit Lügnern verhandeln sollte und antwortete selbst: „Dass wir vertuschen, vergessen: Vergewaltigung, Tötung, Folter, zerstörtes Leben.“ Wenn man in Verhandlungen gehe, dann nicht aus einer Position der Schwäche.
Wladimir Klitschko sagte, er mache sich Sorgen, dass die Menschen in Deutschland und weiteren Ländern kriegsmüde werden könnten. „Die Preise sind höher geworden, das Leben ist teurer geworden, das Leben in Europa hat sich verändert“, sagte Klitschko. Trotzdem hätten die meisten Menschen nach wie vor Verständnis und unterstützten die Ukrainer. „Im Sport so wie im Krieg, Ausdauer schlägt alles.“ Auch wenn alles sehr langsam und mühsam vorangehe.
Es sei klar geworden, dass Wladimir Putins Russland sich an diesem Krieg „verschlucken“ sollte – mit den Konsequenzen, dass der Krieg aufhöre und so etwas nicht wieder passiere. „Das Böse hat kein Ende, wenn wir das Ende nicht dem Bösen geben.“
00:01 Uhr – Airbnb will Ukraine-Tourismus nach dem Krieg unterstützen
Der US-Zimmervermittler AirBnb und die Tourismusagentur der Ukraine haben eine gemeinsame Vereinbarung zur Unterstützung des Tourismus nach dem Krieg unterzeichnet. „Diese Vereinbarung liegt mir sehr am Herzen. Auch wenn heute nur ein sehr limitiertes, touristisches Angebot in der Ukraine möglich ist, ist es wichtig, bereits jetzt die Weichen für die Zeit nach dem Krieg zu stellen“, sagte Airbnb-Mitgründer Nathan Blecharczyk der „Süddeutschen Zeitung“.