Wednesday, February 26, 2025

Donald Trump teilt bizarres, KI-generiertes Gaza-Video, das wie Satire wirkt

Frankfurter Allgemeine Zeitung Donald Trump teilt bizarres, KI-generiertes Gaza-Video, das wie Satire wirkt Artikel von Kai Spanke • 1 Std. • 3 Minuten Lesezeit Alles so schön goldig hier: Kreisverkehr mit Trump-Statue Donald Trump hat vor rund zwei Wochen bekanntgegeben, er sei „entschlossen, Gaza zu kaufen und in Besitz zu nehmen“. Ihm liege, ganz Immobilienentwickler, an einem Wiederaufbau, wobei er die im Gazastreifen lebenden Palästinenser vertreiben und eine „Riviera des Nahen Ostens“ schaffen wolle. Auf welcher Grundlage das geschehen soll? Weiß niemand. Aber wie man sich das Ganze ästhetisch vorzustellen hat, illustriert nun ein von Trump auf der Truth-Social-Plattform gepostetes, in jeder Hinsicht bizarres, um nicht zu sagen groteskes Video. Da es sich um eine Persiflage zu handeln scheint, fragt sich, warum der amerikanische Präsident es teilt. Aber der Reihe nach: Zu Beginn ist eine Trümmerlandschaft zu sehen, dazu ein Kind, das von zwei Erwachsenen an den Händen gehalten und durch die Ruinen geführt wird. Dann die Frage: „Gaza 2025 – Was kommt als nächstes?“ Mit der Antwort lässt der KI-generierte Clip nicht lange auf sich warten. Baukräne. Türkisfarbenes Wasser. Hochhäuser. Eine vor Anker liegende Yacht. Und Elon Musk. Gut gelaunt und entrückt grinsend, genehmigt er sich am Strand einen Hummus-Snack. Als Staffage gibt es noch bärtige Tänzerinnen (ist Trump woker als gedacht?) mit grünen Stirnbändern, die an Hamas-Terroristen erinnern – und einen Jungen mit goldenem Trump-Ballon. Der amerikanische Präsident selbst scheint sich als ungelenker Sugar Daddy in einen Club verirrt zu haben, was sofort von der nächsten Szene gesteigert wird, die zeigt, wie sich der in einem Geldregen groovende Musk beklatschen lässt. Dann, die Geschmacklosigkeiten sind steigerungsfähig, erscheinen drei Kinder, die sich nach den, wir müssen vermuten: Dollarnoten recken. Daraufhin noch ein Blick auf den „Trump Gaza“-Tower (viel Gold, kein Geschmack), schon wieder Musk, der, schon wieder, einen Imbiss einnimmt, eine große Trump-Statue und viele kleine Versionen davon für den Schreibtisch, die den mächtigsten Mann der Welt allerdings wie auf einer Toilette sitzend präsentieren. Zum Schluss sehen wir, wie Trump und Netanjahu am Pool eines Hotels Cocktails schlürfen. Gegen Letzteren liegt, wir erinnern uns, ein internationaler Haftbefehl vor, wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord. Dass das KI-Video nun erschienen ist, wird womöglich kein Zufall sein, denn der israelische Oppositionsführer Jair Lapid hat eigenen Angaben zufolge gerade einen Plan für die Zukunft des Gazastreifens vorgestellt: Ägypten solle das Gebiet in den kommenden fünfzehn Jahren verwalten. Währenddessen könne die gemäßigte Autonomiebehörde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland Reformen durchsetzen – und schließlich den Gazastreifen wieder kontrollieren. Von Israel gibt es bislang keine Reaktion auf diese Idee. Was es dafür gibt, ist ein musikalisch wie textlich auf Sparflamme vor sich hinköchelnder Nervsong, der dem KI-Clip unterlegt ist. Darin heißt es: „Donald’s coming to set you free, bringing the light for all to see, no more tunnels, no more fear: Trump Gaza’s finally here. Trump Gaza’s shining bright, golden future, a brand new life. Feast and dance, the deal is done, Trump Gaza number one.“ Alles bestens also. Gut, die Vereinten Nationen warnten vor einer „ethnischen Säuberung“ im Gazastreifen, aber Trump und Musk werden sich die Party-Stimmung nicht versauen lassen. Der Videoclip wirkt so, als wolle da jemand Trumps Gaza-Phantasie satirisch auf die Spitze treiben und allen vor Augen führen, wie absurd Trumps Vorstellung von der Realität ist. Aber der US-Präsident, dessen Sinn für Ironie überschaubar ist, scheint die Groteske als Unterstützung zu verstehen. Wie sagte Wolodymyr Selenskyj? „Trump lebt in diesem Desinformationsraum.“ Die Wände dort sind bunt gestrichen, und bärtige Bauchtänzerinnen gibt es auch.