Thursday, October 12, 2023
Warum haben sich die Beziehungen zwischen Polen und Ukraine so verschlechtert?
Berliner Zeitung
Warum haben sich die Beziehungen zwischen Polen und Ukraine so verschlechtert?
Artikel von BLZ/kuri •
8 Std.
Polens Kulturminister Piotr Glinski (PiS) gilt als enger Vertrauter von Jaroslaw Kaczynski und als einer der einflussreichsten Politiker im Kabinett von Mateusz Morawiecki. Falls die PiS-Partei in den kommenden Parlamentswahlen am 15. Oktober 2023 erneut gewinnen und die Regierung stellen sollte, könnte Piotr Glinski – Gerüchten zufolge – sogar zum Premierminister ernannt werden.
Piotr Glinski hat der Berliner Zeitung ein umfangreiches Interview gegeben. Darin kritisiert er Deutschlands Kulturministerin Claudia Roth für ihre fehlende Bereitschaft, mit Polens Regierung zusammenzuarbeiten. Außerdem kritisiert er die Bundesregierung und sagt, dass sie sich in die polnischen Wahlen einmischen würde, indem sie die Opposition unterstützt.
In dem Interview, das auf der Website der Berliner Zeitung veröffentlicht wurde und in Auszügen in der Freitagsausgabe der Berliner Zeitung erscheint (13. Oktober 2023), spricht Piotr Glinski auch über die sich langsam verschlechternden Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen.
Auf die Frage, ob Polen die Ukraine weiterhin militärisch unterstützen möchte, antwortet Glinski: „Es ist in Polens Interesse, die Ukraine militärisch zu unterstützen, denn je weiter Putin von den polnischen Grenzen entfernt ist, desto besser ist es für uns alle. Und so haben wir es von Anfang auch an getan. Aber in der Tat ändert die Ukraine den Vektor der Beziehungen zu Polen. Wir werden keine Maßnahmen akzeptieren, die die polnischen Interessen in Bezug auf Fragen des Marktes, auf Getreide oder ungelöste Fragen aus unserer Vergangenheit verletzen. Außerdem hat die Ukraine nie zugestimmt, die Suche nach jenen polnischen Opfern, die von den Ukrainern beim Massaker in Wolhynien getötet wurden, und deren Exhumierung bedingungslos zuzulassen. Es geht hier um 100.000 Menschen, von denen nicht einmal bekannt ist, wo sie begraben sind. Wenn ein Land nach Europa strebt, muss es die grundlegenden Werte unserer Zivilisation akzeptieren, darunter das Recht, Opfer aufzufinden und in Würde zu bestatten. Was die gegenwärtigen Beziehungen angeht, so befürchte ich, dass die Ukraine einen Fehler macht. Und ich fürchte auch, dass die Deutschen, die sich nach anderthalb Jahren Krieg plötzlich sehr aktiv in die ukrainischen Angelegenheiten eingemischt haben, eine aktive Rolle bei diesem Wandel spielen. Sie rechnen wahrscheinlich damit, vom Wiederaufbau der Ukraine wirtschaftlich zu profitieren.“