Wednesday, December 28, 2022
Papst Benedikt „sehr krank“ – Papst Franziskus bittet um Gebete
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Papst Benedikt „sehr krank“ – Papst Franziskus bittet um Gebete
Vor 40 Min.
Papst Franziskus (links) und der emeritierte Papst Benedikt XVI unterhalten sich im Kloster „Mater Ecclesiae“ im Vatikan (Aufnahme aus dem Jahr 2018)
Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist nach Auskunft seines Nachfolgers Franziskus „sehr krank“. Der aktuelle Pontifex bat am Mittwoch zum Ende der Generalaudienz im Vatikan die Gläubigen um ein „spezielles Gebet“ für den 95-jährigen Benedikt. „Denkt an ihn, er ist sehr krank. Und bittet den Herrn, ihn zu trösten und zu unterstützen in diesem Zeugnis der Liebe zur Kirche, bis zum Ende“, sagte Franziskus. Weitere Details nannten Franziskus und der Heilige Stuhl zunächst nicht.
Der gebürtige Bayer, der vor seiner Wahl zum Papst Joseph Ratzinger hieß, lebt seit seinem Rücktritt 2013 relativ abgeschieden in einem Kloster im Vatikan. Zuletzt hieß es seit Monaten, dass Benedikt körperlich schwach sei und kaum noch sprechen könne. Geistig aber sei er den Umständen entsprechend fit. In unregelmäßigen Abständen empfing Benedikt, der von seinem langjährigen Wegbegleiter Georg Gänswein sowie Ordensschwestern betreut wird, auch noch Besuch.
„Für uns gilt, dass wir im Gebet verbunden sind“
Benedikt XVI. war 2005 zum Papst gewählt worden – der erste Deutsche an der Spitze des Vatikans seit Tausend Jahren. Zuvor war er 25 Jahre lang einflussreicher Chef der Glaubenskongregration, der wichtigsten Behörde des Kirchenstaates mit dem Schwerpunkt Glaubenslehre. Er galt in dieser Funktion als kompromissloser Vertreter des konservativen Flügels im Vatikan. So disziplinierte er Anhänger der Befreiungstheologie in Lateinamerika und erwarb sich dadurch den Ruf als „Gottes Rottweiler“.
Der frühere Erzbischof von München und Freising kam 2022 durch einen deutschen Medienbericht unter Druck, in vier Fällen von Kindesmissbrauch durch Kirchenangehörige zwischen 1977 und 1982 keine angemessenen Maßnahmen ergriffen zu haben. In einem emotionalem, persönlich gehaltenen Brief erklärte er daraufhin, Fehler seien gemacht worden und er bitte um Vergebung.
Mit Blick auf den schlechten Gesundheitszustand des emeritierten Papstes gilt für den Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, die Verbundenheit im Gebet. „Wenn der Heilige Vater Franziskus uns sagt, wir sollen im Gebet verbunden sein, dann tun wir das heute ganz besonders mit den jungen Christinnen und Christen“, sagte Marx am Mittwoch im oberbayerischen Bad Tölz bei der diözesanen Eröffnung der Sternsingeraktion 2023.
Er habe das am Mittwochmorgen auch gehört, sagte der Kardinal auf Fragen nach Benedikts Zustand. „Aber für uns gilt, dass wir im Gebet verbunden sind.“ Er habe Benedikt im September zuletzt gesehen.
„Die Lage ist sicher sehr ernst“, sagte auch Benedikts langjähriger Weggefährte und Theologe Wolfgang Beinert am Mittwoch. „Bei einem Mann, der auf die 100 zugeht, ist das aber nicht überraschend.“ Bis zum Jahresanfang habe er noch Briefkontakt zu Benedikt gehabt, sagte der emeritierte Theologie-Professor. Auf ein Schreiben zu dessen Geburtstag im April habe er aber nicht mehr geantwortet.