Sunday, March 2, 2025

Putin vertrauen? Vertrag mit Kreml-Chef „nicht mehr wert, als das Papier, auf dem er steht“

Merkur Putin vertrauen? Vertrag mit Kreml-Chef „nicht mehr wert, als das Papier, auf dem er steht“ Artikel von Christoph Gschoßmann • 7 Std. • 3 Minuten Lesezeit Diplomatisches Ende des Krieges? Heute kämpfen sie für die Ukraine: Soldaten aus Georgien, Tschetschenien und Belarus erinnern sich an Putins frühere Wortbrüche. Washington, D.C./Moskau – Nach einer langen Phase der Funkstille beginnen Russland und die USA wieder miteinander zu verhandeln. Es gibt Telefonate zwischen Wladimir Putin und Donald Trump, ein Treffen der Außenminister in Saudi-Arabien und diplomatische Vorbereitungen in Istanbul. Ein direktes Treffen zwischen Trump und Putin könnte ebenfalls bevorstehen. Vier Soldaten, die Putins Wortbruch aus erster Hand erlebt haben, warnen davor, dem russischen Autokraten zu vertrauen. Veteranen des Tschetschenienkriegs berichten von Putins Verrat Die Moscow Times sprach mit zwei Tschetschenen, Benor und Berkhi, sowie dem Georgier Vakha und Stare aus Belarus, die alle in der ukrainischen Armee dienen. Benor kämpfte bereits im Zweiten Tschetschenienkrieg gegen die russischen Streitkräfte, während Vakha 1993 im georgischen Krieg gegen die von Russland unterstützten abchasischen Separatisten stand. Er betont, dass „Russland seine Verpflichtungen nie einhalten wird.“ Dies sei in der Vergangenheit nie geschehen. „Nicht in Georgien, nicht in Tschetschenien, nicht in der Ukraine nach der Annexion der Krim. Warum also sollte es jetzt?“ Er erinnert an Putins Verrat während des Tschetschenienkriegs. Nach einem ersten Sieg der Tschetschenen erzwangen diese 1996 das Chasawjurt-Abkommen. Doch 1999 startete der damalige russische Premierminister Putin unter dem Vorwand einer Anti-Terror-Operation eine neue Militärintervention. Die tschetschenischen Separatisten, gespalten und schlecht ausgerüstet, kapitulierten 2009. „Jeder Tag war wie in Bucha“, erinnert sich Benor. „Jeden Tag überfielen die Russen unsere Dörfer und massakrierten Männer, Frauen und Kinder. Sie töteten mehr als 100.000 Menschen und zerstörten jede Stadt im Land.“ Warnungen der Veteranen vor Russland: „Sie werden versuchen, die Ukraine zu spalten“ Spielt Putin erneut ein doppeltes Spiel? Nach den ersten Kontakten mit der neuen US-Regierung unter Trump äußerte der Kremlchef Hoffnung auf bessere Beziehungen. „Es gibt den Willen auf beiden Seiten, sich für die Wiederherstellung der zwischenstaatlichen Beziehungen, für die schrittweise Lösung der kolossalen Häufung angestauter systemischer strategischer Probleme in der Weltarchitektur einzusetzen“, erklärte Putin bei einer Sitzung des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Moskau. Benor glaubt diesen Worten nicht. Er prognostiziert Moskaus Vorgehen: „Sie werden versuchen, die Ukraine zu spalten, ihre Armee und Ressourcen wieder aufzubauen – da bin ich mir hundertprozentig sicher“, sagt er. „Genau das haben sie mit Tschetschenien gemacht. Sie werden alles einsetzen, was sie haben, um die vollständige Kontrolle über die Ukraine zu übernehmen.“ Sie werden niemals aufhören. „Wir können den Russen niemals trauen“: Geht es der Ukraine wie Tschetschenien? Auch Berkhi, ein Landsmann von Benor, warnt: „Wir können den Russen niemals trauen. Ich habe mein Land wegen dieses sogenannten Friedensabkommens verloren. Die Geschichte wiederholt sich. Wir haben den Ersten Tschetschenienkrieg gewonnen. Sie haben sich Zeit gelassen, um wieder aufzurüsten, während sie uns spalteten, und am Ende haben sie gewonnen. Sie werden versuchen, dasselbe mit der Ukraine zu machen. Man kann Putin nicht trauen. Er ist ein Lügner und ein Mörder.“ Er fügt hinzu: „Wenn ich von Verhandlungen höre, bekomme ich Flashbacks an die tschetschenischen Friedensgespräche von 1996 bis 1997. Ein Friedensvertrag mit Russland ist nicht mehr wert als das Papier, auf dem er geschrieben steht.“ Stare aus Belarus schloss sich der Armee Kiews an, weil er „ukrainische Freunde hatte und sah, was Russland tat.“ Seitdem hat der belarussische KGB versucht, seine Familie in der Heimat einzuschüchtern. „Sie haben meine Verwandten mehrfach verhaftet, um Informationen darüber zu bekommen, was ich in der Ukraine mache“, berichtet er. Belarus sei „ein korruptes Land, das vollständig von Russland kontrolliert wird. Und sie wollen dasselbe in der Ukraine tun. Sie wollen die ukrainische Sprache, die Kultur und alles zerstören, was auch nur im Entferntesten gegen den Kreml ist. Und wenn sie in der Ukraine keinen Diktator wie Lukaschenko installieren können, werden sie den Krieg nicht beenden. Egal, welcher Vertrag gilt. Die Ukrainer sollten weiterkämpfen.“ Putin und Trump nähern sich an – kommt es bald zu einem Treffen? Putin und Trump streben eine diplomatische Lösung an. Sie hatten bei einem Telefonat die Kontakte vereinbart. Putin behauptete erneut, dass Russland stets bereit gewesen sei, den Konflikt um die Ukraine friedlich zu lösen. Dabei hatte Putin selbst den Krieg gegen das Nachbarland vor gut drei Jahren begonnen. Vakha weiß, was Putins Wort wert ist. „Sie haben 1993 gewonnen und 2008 wieder angefangen. Heute hat Georgien einen prorussischen Präsidenten.“ Vakha äußert, dass das, was Trump Russland anbiete, nichts weniger als die Kapitulation der Ukraine sei. Die Russen würden niemals aufhören. (cgsc mit dpa)