Monday, March 31, 2025

Folgen für Russlands Wirtschaft: Opec-Länder wollen den Markt mit Öl fluten

op-online StartseiteWirtschaft Folgen für Russlands Wirtschaft: Opec-Länder wollen den Markt mit Öl fluten 31.03.2025, 20:47 Uhr Lars-Eric Nievelstein Die Opec könnte eine wichtige Förderbeschränkung beenden. Das wiederum kann für niedrigere Ölpreise sorgen. Was heißt das für Russland? Wien – Ölexporte stützen Russlands Wirtschaft. Westliche Nationen versuchen seit Jahren, die gewaltigen Gewinne zu beschneiden, wofür die G7-Länder zum Beispiel einen Ölpreisdeckel eingeführt hatten. Ende März hat zudem US-Präsident Donald Trump verkündet, höhere Zölle auf russisches Öl zu legen. Jetzt könnte das Ölkartell Opec selbst für eine Preissenkung sorgen – und Russland macht mit. Förderbeschränkung für Öl soll im April enden – Opec hatte 2023 die Öl-Förderung reduziert Die acht Ölexport-Staaten der Gruppe Opec+ wollen ab Dienstag (1. April) eine wichtige Förderbeschränkung auslaufen lassen. Das würde bedeuten, dass der Ölverbund aus Mitgliedern der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) sowie anderer Förderländer (darunter auch Russland) den Ölhahn stärker aufdrehen wird. Damit drehen sie eine 2023 gefällte Entscheidung, die Tagesproduktion um 2,2 Millionen Barrel zu kürzen, wieder zurück. Die Ankündigung kam bereits Anfang März 2025 und hatte an den Märkten für eine deutliche Erleichterung bei den Ölpreisen gesorgt. Sobald die Förderbeschränkung fällt, sollen weitere Effekte an den Märkten zu spüren sein. „Das de facto steigende Ölangebot dürfte in den Fokus rücken und die Preise belasten“, kommentierte Barbara Lambrecht, Rohstoffexpertin der Commerzbank. Laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) soll das auch die Preise für Heizöl betreffen, wenn auch mit einem Zeitverzug, da die Heizperiode gerade endet und die Preisentwicklung erst ab Herbst wieder stärker in den Fokus der Deutschen rückt. „Impuls Richtung günstigere Ölpreise“ – Opec-Entscheidung könnte das Tanken billiger machen Anders sieht das bei Benzin und Diesel aus. „Wenn die Förderung ausgeweitet wird, ist das auf jeden Fall ein Impuls in Richtung günstigerer Ölpreise“, sagte Christian Laberer, Kraftstoffmarktexperte beim ADAC. Die beschlossene Ausweitung soll allerdings nur einen kleinen Effekt haben – der Ölpreis könnte ein paar um einige wenige Dollar fallen, beim Spritpreis gehe es um Centbeträge. Selbst das wäre nur dann zu erwarten, wenn die Mineralölkonzerne den Preisrückgang auf dem Weltmarkt an die Verbraucher an den Tankstellen weitergeben. Das Handelsblatt wiederum hatte noch im Dezember 2024 berichtet, dass der Ölmarkt auch mit der beibehaltenen Förderkürzung überversorgt sein würde. Dabei berief sich das Blatt auf Daten der Internationalen Energieagentur (IEA). Die Nachfrage in China sei „enttäuschend“ gewesen, außerdem hatten Länder außerhalb der USA verstärkt damit begonnen, Öl zu fördern. Darunter befinden sich etwa die USA, Kanada oder Guyana. Die Großbank Morgan Stanley hatte erst die Prognose für die Preisentwicklung bei der Rohölsorte Brent nach unten korrigiert. Soll heißen: Der ohnehin schon überversorgte Ölmarkt könnte einen Überfluss an Rohstoffen gewinnen. Opec-Entscheidung könnte Russland um Einnahmen bringen – oder für Zerfall sorgen Das könnte wiederum deutliche Auswirkungen auf diejenigen Länder haben, die auf Gewinne aus dem Ölverkauf angewiesen sind. Russland ist hier ein Musterbeispiel. Weil der Ölsektor derartig wichtig für Russland ist, haben westliche Länder ihn früh als eines der besten Ziele für Sanktionen identifiziert. Allerdings gelang es nur teilweise, Russlands Einnahmen aus den Verkäufen von Öl und Gas zu beschränken – zumindest, wenn man den offiziellen Zahlen aus Russland glaubt. Russische Öllieferungen bleiben jedoch eine der wichtigsten Finanzquellen für den Kreml. Laut Bloomberg sind die Rohöllieferungen aus russischen Häfen im März 2025 auf 3,45 Millionen Barrel pro Tag gestiegen, was dem höchsten Wert seit dem vergangenen Oktober entspricht. Die Opec-Entscheidung spielt mit einer gefährlichen Balance: Russland könnte mehr Öl verkaufen und darum mehr Geld verdienen, wenn es mehr Öl fördert, allerdings darf der Preis nicht durch den Überschuss zu stark absinken. Die russische Zentralbank sieht jedoch ein noch größeres Risiko. Sie warnte bereits davor, dass die USA und die Opec die Kapazität hätten, den Ölmarkt mit Ressourcen zu fluten und so eine Wiederholung des langwierigen Preisverfalls der Achtzigerjahre zu bewirken. Damals hatte dies zum Fall der Sowjetunion beigetragen.