Sunday, March 30, 2025

FOKUS 1-Deutschland und Kanada üben auf Hannover-Messe Schulterschluss

Reuters FOKUS 1-Deutschland und Kanada üben auf Hannover-Messe Schulterschluss Andreas Rinke • 6 Std. • 3 Minuten Lesezeit Hannover, 30. Mrz (Reuters) - Deutschland und Kanada haben zur Eröffnung der Hannover-Messe angesichts anhaltender Drohungen der USA einen demonstrativen Schulterschluss geübt und für Freihandel geworben. "Kanada ist kein Bundesstaat von irgendwem. Kanada ist eine stolze, unabhängige Nation", sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend zur Eröffnung der Messe in Hannover. "Wir wussten, dass wir uns schätzen. Aber jetzt wissen wir, dass wir einander brauchen", sagte Stéphane Dion, Kanadas Sonderbeauftragter für die Europäische Union und Europa. Dion, der Botschafter in Frankreich ist und früher in Deutschland war, vertrat den im Wahlkampf befindlichen neuen kanadischen Ministerpräsidenten Matt Carney. Die wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump auch gegen Verbündete überschatten seit Wochen die Beziehungen mit Washington. So hat Trump Anspruch auf Kanada sowie das zu zum EU- und Nato-Partner Dänemark gehörende Grönland erhoben und den nördlichen US-Nachbarn Kanada sowie die EU und andere Staaten mit Strafzöllen für Importe überzogen. In Kanada hat dies zu harten Sanktionen gegen die USA geführt. Die EU hat angekündigt, ebenfalls mit Gegenmaßnahmen zu reagieren. "We stand by your side", fügte der Kanzler demonstrativ auf Englisch in Richtung Botschafter hinzu. Kanada habe Freunde überall auf der Welt – und ganz besonders viele davon hier in Deutschland und Europa. Scholz wies darauf hin, dass es sehr ungewöhnlich sei, dass man unter Nachbarn, Alliierten und G7-Partnern betonen müsse, dass man unabhängig sein wolle. Ministerpräsident Mark Carney sei noch vor seinem Amtsantritt gezwungen gewesen zu versichern, dass Kanada "niemals, in welcher Form auch immer, ein Teil der USA sein" sein werde. "Es sind Sätze, die auch uns hier in Europa bewegen", fügte der Kanzler hinzu. Forschungsminister Cem Özdemir (Grüne) kritisierte in Hannover ebenfalls die wiederholten Äußerungen von Trump, dass Kanada der 51. Bundesstaat der USA werden sollte. "Kanada ist ein unabhängiges Land, wo die Menschen in Kanada entscheiden, was mit ihrer Zukunft passiert, aber niemand sonst, bitte schön", sagte er. ENGERE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN GEPLANT Scholz verwies darauf, dass Trump mit seiner Zollpolitik allen schade, auch den USA selbst. Die EU werde auf die Zölle reagieren, müsse aber mehr und schnelle Freihandelsabkommen mit anderen Partnern in der Welt abschließen. "Das ist in dieser Zeit die richtige Antwort", sagte Scholz. Deutschland habe das EU-Freihandelsabkommen mit dem diesjährigen Gastland Kanada bereits ratifiziert. "Wir hoffen, dass es bald auch endgültig von allen (EU-)Staaten etwas ratifiziert werden wird", fügte er hinzu. "Allein seit dem Inkrafttreten des CETA-EU-Abkommens mit Kanada 2017 ist der Güterhandel zwischen uns um mehr als 50 Prozent gestiegen. Und ich bin sicher: Er wird schon bald weiter steigen – ich nenne das mal den 'Hannover-Effekt'", sagte Scholz. Kanada ist mit 220 Firmen auf der weltgrößten Industrie-Messe mit insgesamt 4000 Ausstellern vertreten - laut Botschafter Dion die größte Messepräsenz, die das Land je hatte. Er bezeichnete seine Heimat als "das europäischste nicht-europäische Land", das über sehr viele Ressourcen und viele Hightech-Firmen verfüge. Auch der Kanzler bezeichnete die Wirtschaften beider Länder als ideale Partner und zitierte den früheren kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau, dass Kanada alle Rohstoffe habe, über die Russland auch verfüge - dafür aber eine Demokratie und ein Rechtsstaat sei. ERNEUTE KRITIK AN DEN STRAFZÖLLEN Scholz erneuerte seine Kritik an den von den USA verhängten Strafzöllen etwa gegen Importautos. "Wir wissen, dass der freie Welthandel, der so viel Wohlstand geschaffen hat, gefährdet ist, weil politische Bewegungen des Protektionismus überall in der Welt Mode werden", sagte der SPD-Politiker. Dies führe dazu, dass es nur Verlierer gebe. Der Standpunkt der Bundesregierung und der EU sei: "Wir werden weiter für einen fairen Welthandel eintreten." Dieser sei gerade für die USA wichtig. "Deshalb ist es auch klar, dass wir als Europäische Union auf die Zollpolitik der Vereinigten Staaten reagieren", warnte Scholz. Gleichzeitig sei die EU "zu jedem Zeitpunkt und in jeder Stunde" dabei, sich für ein Kompromiss der Kooperation einzusetzen. "Kooperation und Klarheit und Stärke sind hier gleichzeitig gefragt", sagte der Kanzler. Die EU sei offen, aber nicht naiv.