Saturday, May 28, 2022
Pandemien: "Das nächste große Ding ist längst da"
ZEIT ONLINE
Pandemien: "Das nächste große Ding ist längst da"
Stephan Reich - Gestern um 12:49
Corona und die Affenpocken sind erst der Anfang: Andauernd springen Erreger vom Tier auf Menschen über. Tierarzt Florian Menge bereitet aber etwas ganz anderes Sorgen.
Zoonosen, also Krankheiten, die von Tieren übertragen werden, stecken hinter zwei Drittel aller Infektionskrankheiten beim Menschen. Und sie werden häufiger. Was noch auf uns zukommen könnte, erklärt Christian Menge, Tierarzt und Experte für Zoonosen am Friedrich-Loeffler-Institut.
ZEIT ONLINE: Herr Menge, manche Menschen haben Angst vor Spinnen, andere fürchten sich vor Schlangen. Sie sind Experte für Zoonosen, also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen überspringen: Vor welchem Tier fürchten Sie sich?
Christian Menge: Vor Tieren per se habe ich keine Angst. Eher vor bestimmten Infektionserregern, die sie transportieren können. Den Biss eines Warans zum Beispiel würde ich vor allem deshalb gern vermeiden, weil der extrem viele unangenehme Bakterien in der Maulhöhle hat. Wenn ich den Biss überlebe, sterbe ich hinterher an der Infektion. Tierbisse, selbst von Katzen, können fiese Wunden und Infektionen erzeugen.
ZEIT ONLINE: Und vor der Fledermaus haben Sie keine Angst? Schließlich gelten Fledermäuse als Ursprung der Corona-Pandemie.
Menge: Doch, im globalen Maßstab muss man Fledermäuse im Auge behalten, das ist durch die Pandemie noch einmal in den Fokus gerückt. Fledermäuse sind entwicklungsgeschichtlich sehr alt und es gibt sehr viele Arten. Aber sie sind definitiv nicht die einzige Quelle von Infektionskrankheiten. Nahezu zwei Drittel aller Infektionskrankheiten sind Zoonosen, also Infektionskrankheiten, deren Erreger zwischen verschiedenen Tierarten, inklusive des Menschen, übertragen werden. Die Erreger von Zoonosen beschränken sich nicht nur auf Viren, das Spektrum der Erreger umfasst auch Parasiten, Pilze, Bakterien und auch Prionen, also krankheitserregende Eiweiße.
ZEIT ONLINE: Sie haben den Biss des Warans schon genannt. Was sind die typischen Übertragungswege vom Tier auf den Menschen?
Menge: Erstens der direkte Kontakt zu Tieren, etwa Bisse, Kratzer oder Kontakt zu Körperflüssigkeiten. Zweitens die Übertragung über Lebensmittel, denken Sie an Magen-Darm-Infektionen mit Salmonellen- oder Campylobacter-Erkrankungen. Und drittens Insektenvektoren, also saugende und beißende Insekten, die Erreger übertragen, meist Viren. Das sind die Klassiker.
ZEIT ONLINE: Klassiker? Das klingt so, als gebe es auch exotischere Übertragungswege.
Menge: Natürlich. Coxiellen etwa, die Fiebererkrankungen auslösen können, vermehren sich in der Plazenta von Weidetieren und werden deshalb bei der Geburt ausgeschieden, in Form von Aerosolen. In Jena gab es einen großen Ausbruch, weil auf einer Schafweide mehrere Hundert Meter von einem Wohngebiet entfernt ein Schaf gelammt hat und der Wind die Aerosole bis ins Tal trug. Es gab über 300 Infizierte. Oder denken Sie an die Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine von der Zecke übertragene Entzündung der Hirnhäute. Der klassische Übertragungsweg ist der Zeckenbiss, es gibt aber auch einige wenige Fälle, bei denen die Krankheit über Kuhmilch übertragen wurde. Nämlich dann, wenn eine Zecke eine Kuh infiziert hat, der Erreger in die Rohmilch gelangt ist und die jemand getrunken hat. Schlagzeilen machte auch ein tragischer Fall vor ein paar Jahren, bei dem eine nicht erkannte Tollwuterkrankung über Spenderorgane übertragen wurde. Zwei Transplantationsempfänger starben.
ZEIT ONLINE: Häufiger, bei Corona und der Influenza etwa, aber hört man, dass Erreger über Fledermäuse und Vögel übertragen werden. Was macht diese Tiere besonders?
Menge: Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Bei den Fledermäusen vermutet man bestimmte Besonderheiten im Interferonsystem, das wichtig für die Abwehr von Viren ist. Die Viren, die man in Fledermäusen findet, insbesondere die, die dann auch auf die Menschen übergehen, machen die Fledermäuse in der Regel nicht krank. In der Evolution scheint sich eine Art Gleichgewicht zwischen Viren und Fledermäusen eingestellt zu haben. So werden Fledermäuse zu stillen Trägern bestimmter Viren.
ZEIT ONLINE: Und bei den Vögeln?
Menge: Vögel, insbesondere Zugvögel, können sehr weite Strecken zurücklegen. Die jährliche Vogelgrippewelle kommt in der Regel mit Wildvögeln aus Asien nach Europa. Diese Wildvögel stecken sich beim relativ nah verwandten Hausgeflügel an, was seinerseits in enger Gemeinschaft mit Schweinen und Menschen lebt, die jeweils prinzipiell mit dem Influenzavirus infizierbar sind. In diesen Gemeinschaften können verschiedene Virusstämme zirkulieren, mutieren und sich auch rekombinieren.
ZEIT ONLINE: Was hat es mit den Affenpocken auf sich?
Menge: Affenpocken ist eine Viruserkrankung, die man zunächst bei Affen beobachtet hat, daher der Name. Das Virus findet sich bei Nagetieren in West- und Zentralafrika, die vermutlich als Reservoir des Erregers fungieren. Der Mensch kann sich über Kontakt zu infizierten Tieren anstecken. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist auch möglich, aber nur durch engen Kontakt, nicht etwa über Aerosole wie beim Coronavirus. Erste Symptome sind Fieber, Kopf-, Muskel und Rückenschmerzen, danach kommt es zu einem Hautausschlag. Die Verläufe sind aber zumeist mild. Durch die Form der Übertragung ist die Gefahr für die Gesamtbevölkerung wahrscheinlich eher gering. Das RKI schätzt, dass eine Pandemie vermutlich nicht zu erwarten ist.
ZEIT ONLINE: Der Übersprung auf den Menschen ist keine Einbahnstraße. Der Erreger der Corona-Pandemie etwa wandert vom Menschen auch zurück zum Tier. Besonders anfällig sind Weißwedelhirsche und Nerze, andere Tiere hingegen scheinen sich nicht anzustecken. Warum?
Video: Affenpocken: Alle wichtigen Fakten zur Krankheit (dpa)
Menge: Bei den Weißwedelhirschen liegt es am Rezeptor, an den das Virus bindet. Der ähnelt vom Aufbau sehr stark dem Rezeptor, den Menschen auf ihren Zellen tragen. Der Rezeptor bei Nerzen dagegen ist mit dem beim Menschen recht wenig verwandt. Hier spielen wohl andere Aspekte der Biologie des Atmungsapparates eine größere Rolle. Im Allgemeinen kann man sagen, dass viel zusammenkommen muss, damit ein Erreger von einem Menschen auf ein Tier überspringt oder andersherum.
ZEIT ONLINE: Was genau?
Menge: Mensch und Tier sind ständig Erregern ausgesetzt. Jedes Mal, wenn Sie eine Katze streicheln, sind Sie beispielsweise exponiert. Ein Übersprung, der zu einer Infektion führt, hingegen ist sehr selten. Damit das passiert, müssen viele Dinge zusammenkommen: Das Tier muss genügend Erreger ausscheiden; der Mensch muss in der richtigen Art und Weise exponiert sein; der Erreger muss in der Lage sein, menschliche Gewebe oder einzelne Zellen zu infizieren, in sie einzudringen und sich zu vermehren. Aber selbst dann entsteht noch keine Pandemie.
ZEIT ONLINE: Nein?
Menge: Wenn die Infektion im Menschen zu einer Krankheit führt, aber der Mensch diese Infektion kontrollieren kann, ist für den Erreger auch wieder Schluss. Dann bleibt es bei einer einzelnen Übertragung. Ein Mensch, der von einer Katze gebissen wurde, bekommt eine dicke Hand, aber er steckt ja keinen weiteren Menschen an. Nur wenn sich der Erreger im Menschen stark vermehrt und auf dem richtigen Weg in der richtigen Menge ausgeschieden wird und andere Menschen ausreichende Mengen von dem Erreger aufnehmen, kann das Ganze zur Epidemie oder schlimmstenfalls Pandemie durchstarten. So wie nun bei Sars-CoV-2. Ein solches Szenario war prinzipiell vorherzusehen. Es war klar, dass das irgendwann passieren musste.
ZEIT ONLINE: Sie wussten, dass es zu einer solchen Pandemie kommen würde?
Menge: Wir haben an den großen Influenza-Wellen der letzten Jahre gesehen, dass die Einschläge näherkommen. Der Grund ist, dass der Mensch sich auf dem Planeten immer weiter ausbreitet. Mit Abholzungsaktionen, mit der Nutzung des Regenwaldes für Viehzucht oder Futterproduktion dringen wir in immer neue Lebensräume vor und kommen dabei Wildtieren immer näher, in denen sich ganz eigene Gemeinschaften von Krankheitserregern herausgebildet haben. Letztlich kommt es deshalb immer häufiger zu Übertragungen von Erregern durch Tiere, mit denen der Mensch in der Vergangenheit keinen Kontakt hatte.
ZEIT ONLINE: Wir erschließen uns förmlich neue Erreger-Reservoirs …
Menge: Genau. Dass eine niederdeutsche Milchkuh im südamerikanischen Regenwald plötzlich neben einer Fledermaus grast, ist etwas völlig Neues. Aber solche Konstellationen nehmen exponentiell zu, was die Wahrscheinlichkeit von Zoonosen drastisch erhöht. In vielen Ländern wird auch das Fleisch von Wildtieren gegessen, die auf sogenannten wet markets verkauft werden. Der Huanan Market in Wuhan war ein solcher. Dazu kommt noch, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch, der sich mit einem neuartigen Erreger infiziert hat, die Krankheit weiterverbreitet, in Zeiten der Globalisierung ebenfalls höher ist als früher. Wir sind ein immer enger zusammenwachsendes, großes Ökosystem auf diesem Planeten, jeder Erreger kann in wenigen Wochen einmal um die Welt gehen.
ZEIT ONLINE: Was machen wir Menschen noch, was uns in Gefahr bringt?
Menge: Auch die Urbanisierung spielt eine Rolle. Früher, zu Zeiten der Jäger und Sammler oder der ersten sesshaften Bauern, gab es zwar einen relativ intensiven Kontakt von Mensch und Tier. Untereinander aber hatten die Menschen wenig Kontakt. Heute ist das anders: Es gibt riesige Ballungsgebiete, in denen Menschen teils unter schlechten hygienischen Bedingungen leben. Bricht dort eine Krankheit aus, kann sich der Erreger binnen kürzester Zeit massiv ausbreiten. Aus all diesen Gründen war es klar, dass wir irgendwann einen Erreger haben, der wirklich in der Lage ist, einen Durchmarsch zu machen. Wir hatten Sars, wir hatten Mers, nun haben wir Sars-CoV-2 mit seiner hohen Infektiosität. Die Natur hat mehrere Anläufe genommen, jetzt hat sie den Durchmarsch geschafft.
ZEIT ONLINE: Kann man vor dem Hintergrund all dieses Wissens die nächste Pandemie überhaupt verhindern? Christian Drosten sagte zuletzt: "Früherkennung wird auch zukünftig mit dem Erkennen von symptomatischen übertragbaren Erkrankungen bei Menschen beginnen."
Menge: Da muss ich ihm leider recht geben. Es gibt so viele Faktoren, die einen Einfluss darauf haben, ob ein Erreger pandemisch wird oder nicht, dass es schwer bis unmöglich ist, das vorherzusagen. Es müssen wohl auch in Zukunft erst Menschen krank werden, bevor wir merken, dass da etwas auf uns zukommen könnte.
ZEIT ONLINE: Aber es gibt ja durchaus Versuche, neuartige Viren auf ihr Risikopotenzial hin zu bewerten, bevor sie auf den Menschen überspringen, etwa das Projekt SpillOver Global.
Menge: Das ist aber kein echtes Frühwarnsystem. Die Kollegen, die diese Datenbank zusammengestellt haben, haben einen wirklich guten Job gemacht und alles an Erfahrung und Wissen zusammenzutragen, um eine Einschätzung über die Gefahr neu auftauchender Viren abzugeben. Aber ich würde nicht darauf wetten, dass die Prognose des Systems stimmt, wenn ich dort ein Virus eingebe, das eine bestimmte Gensequenz und bestimmte Eigenschaften hat. Die Natur ist einfach furchtbar kompliziert. Außerdem geht es bei SpillOver Global nur um Viren, für Bakterien oder gar Parasiten sind solche Vorhersagen noch einmal ungleich schwieriger, weil es kompliziertere Organismen mit eigenem Stoffwechsel sind.
ZEIT ONLINE: Haben Sie dafür ein Beispiel?
Menge: Ja, es gab vor einigen Jahren einen großen E.-coli-Ausbruch. E. coli ist ein Keim, der uns sehr gut bekannt ist. Hätte ich diesen EHEC- Stamm im Labor betrachtet, wäre ich nach allem, was ich wusste, davon ausgegangen, dass er für den Menschen ungefährlich ist. Aber das exakte Gegenteil war der Fall: Die Menschen lagen reihenweise mit Nierenversagen im Krankenhaus.
ZEIT ONLINE: Das klingt so als seien Laborauswertungen und genetische Analysen von Erregern für die Prognose kaum hilfreich.
Menge: Nein, das kann man so pauschal auch nicht sagen. Wir machen im Gegenteil Fortschritte. Nur ein Beispiel: Wir füttern internationale Datenbanken mit den Genomsequenzen von Erregern. Wenn nun ein Erreger global häufiger auftritt, kann das etwa auf seine Gefährlichkeit hinweisen. Das Problem dabei ist, dass das vor allem in den Industriestaaten passiert, in Entwicklungsländern sind wir noch weitestgehend blind. Tatsächlich aber könnten uns auch ganz andere Dinge in der Zukunft übrigens nützlich werden bei der Früherkennung von Epidemien oder Pandemien, zum Beispiel Suchanfragen im Internet.
ZEIT ONLINE: Wie das?
Menge: Fallstudien haben gezeigt, dass es sich lohnt, die Google-Anfragen im Blick zu behalten. Wenn irgendwo auf der Welt plötzlich vermehrt nach bestimmten Symptomen gegoogelt wird, kann das darauf hindeuten, dass in dieser Region etwas vor sich geht. Das ist aber eine sehr neue Idee und noch nirgendwo als Frühwarnsystem implementiert.
ZEIT ONLINE: Wenn die Maßnahmen zur Prävention so schwierig sind, unsere Lebensumstände Pandemien aber immer mehr begünstigen: Was wird denn das nächste große Ding?
Menge: Das nächste große Ding ist längst da: Wir haben eine stille Pandemie der antibiotikaresistenten Keime. Die Resistenzen nehmen immer weiter zu, man findet antibiotikaresistente Bakterien überall, auch in gesunden Tieren, teilweise Dutzende Stämme. Antibiotika, die man lange eingesetzt hat, werden immer wirkungsloser und wir können auf immer weniger Antibiotika ausweichen. Schon heute sterben deshalb jährlich Millionen Menschen.
ZEIT ONLINE: Was kann man dagegen tun?
Menge: Tiere und Menschen bekommen oftmals die gleichen Wirkstoffe. Damit nicht durch die tiermedizinische Behandlung Resistenzen entstehen, die dann am Ende Menschenleben gefährden, hat die WHO festgelegt, welche Antibiotika nur noch beim Menschen verwendet werden dürfen. Hierzulande hat der Gesetzgeber mit dem Arzneimittelgesetz und dem Tierarzneimittelgesetz reagiert. Es muss systematisch erfasst werden, welche und wie viele Antibiotika in der Tierhaltung benutzt werden. Es gibt inzwischen auch strikte Regularien, um die Antibiotikaverbräuche zu drücken. Das war ein maßgeblicher Schritt, wir benutzen schon heute in der Tiermedizin Hunderte Tonnen Antibiotika weniger als noch vor ein paar Jahren. Wichtig ist auch eine bessere Hygiene in den Betrieben. Viel kann man mit besserer Tierhaltung erreichen, damit die Tiere erst gar nicht erkranken und man sie dann eben auch nicht mit Antibiotika behandeln muss. Und es braucht eine bessere Überwachung der Resistenzlage. Bisher gibt es nur stichprobenartige Untersuchungen, die ein grobes Bild zeichnen. Aber auch die möglichst sorgfältige Entscheidung, ob und welche Mittel beim Menschen eingesetzt werden, als Antibiotic Stewardship bezeichnet, ist ein wichtiger Baustein. Wichtig ist mir: Antibiotikaresistente Keime sind nicht exklusiv ein Problem der Tierhaltung, Tiermedizin oder Humanmedizin, sondern ein gemeinsames Problem.
ZEIT ONLINE: All das soll helfen, dass weniger Resistenzen entstehen. Aber das ist nicht das einzige Problem: Viele große Pharmafirmen haben sich aus der Entwicklung von Antibiotika zurückgezogen. Dabei braucht es unbedingt neue Mittel.
Menge: Antibiotika sind nach ihrer Entdeckung und nachdem sie günstig und leicht verfügbar wurden, zu übermäßig und ungezielt eingesetzt worden. Hier ist besonders die vorbeugende, prophylaktische Gabe bei Mensch und Tier zu nennen. Das hat die Balance in vielen, wenn nicht allen Ökosystemen auf diesem Planeten gestört. In jedem dieser Ökosysteme gibt es eine bestimmte Zusammensetzung von Mikroorganismen, die von äußeren Faktoren abhängt, sich aber auch selbst stabilisiert. Letzteres kann dadurch erfolgen, dass die Ernährung einzelner Organismen von Stoffwechselleistungen ihrer Nachbarn abhängt, aber auch dadurch, dass Bakterien und Pilze Substanzen freisetzen, die ihre Nachbarschaft kontrollieren. Dass ein Pilz das Wachstum benachbarter Bakterien unterdrückt, führte ja auch zur Entdeckung des Penizillins. Eine normale mikrobielle Flora im Verdauungstrakt hilft den Tieren und dem Menschen, gesund zu sein. Gelangen Antibiotika durch menschliches Handeln hinzu, werden bestimmte Mikroorganismen davon gestört und gehen zurück, während andere sich vermehren. Am Ende fehlen bestimmte Stoffwechselprodukte, Nahrung wird anders verstoffwechselt und krank machende oder antibiotikaresistente Bakterien gewinnen die Oberhand. Solche Gleichgewichte gibt es überall in der Natur, im Boden, im Wasser. Ihre Störung ist so leicht nicht wieder rückgängig zu machen. Deshalb sind sowohl die bestmögliche Beschränkung der Antibiotikaverwendung als auch die Entwicklung neuer Substanzen wichtige Bausteine, um die Pandemie multiresistenter Bakterien zu kontrollieren.