Tuesday, March 25, 2025

Donald Trump: US-Präsident beschimpft »Atlantic«-Journalist nach Sicherheitspanne als »Widerling«

Astrid Lund - Betty MacDonald fan club organizer: "Donald Trump und seine inkompetente Mannschaft beschädigen das Ansehen der U.S. ungemein. Sehen die Demokraten und die Bevölkerung der U.S. tatenlos zu?"------------------------------ DER SPIEGEL Donald Trump: US-Präsident beschimpft »Atlantic«-Journalist nach Sicherheitspanne als »Widerling« 3 Std. • 4 Minuten Lesezeit Donald Trump spielt die dramatische Chat-Panne um US-Luftangriffe im Jemen herunter. Während der Präsident über den Enthüller und die Europäer herzieht, geraten die Beteiligten vor dem Senat unter Druck. Donald Trump: US-Präsident beschimpft »Atlantic«-Journalist nach Sicherheitspanne als »Widerling« Die peinliche Sicherheitspanne, in der ein brisanter Geheimchat der US-Regierung geleakt wurde, bringt das Weiße Haus in Erklärungsnot. Im Zentrum der Kritik: der Nationale Sicherheitsberater Mike Waltz. Während Donald Trump ihm vorerst demonstrativ Rückendeckung gibt, richtet sich der Zorn des Präsidenten auf das einzige Chat-Mitglied, das nicht der Gruppe hätte angehören dürfen. Waltz soll laut dem »Atlantic«-Artikel dafür verantwortlich gewesen sein, dass der Chefredakteur des Magazins, Jeffrey Goldberg, Zugang zu der sensiblen Kommunikation rund um einen militärischen Schlag der USA gegen die Huthi-Miliz im Jemen erhielt. Goldberg wurde nach eigenen Angaben – wohl aus Versehen – in den Gruppenchat mehrerer Minister und ranghoher Regierungsmitglieder eingeladen. Dort konnte er Pläne über die bevorstehende US-Militäraktion im Jemen live mitlesen. Dass ranghohe Regierungsmitglieder überhaupt sensible Informationen über die kommerzielle App Signal austauschen, sorgt für Empörung. Dass dort Details über einen bevorstehenden Militärschlag erörtert wurden, und versehentlich ein Journalist mit in die Gruppe aufgenommen wurde, sorgt für Fassungslosigkeit. Der bedeutsame Fehltritt schlägt hohe Wellen in den USA. Demokraten fordern personelle Konsequenzen. »Wie zum Teufel«? Trump wischte all das beiseite, spielte die Panne herunter und ging stattdessen zum Gegenangriff über. Das »Atlantic«-Magazin sei ein gescheitertes Medium und der betreffende Journalist ein »Widerling«, der »schlecht für das Land« sei, schimpfte der Präsident. Signal wiederum sei eine App, »die viele Leute benutzen«, die Vorwürfe gegen Waltz seien ungerecht. »Er ist ein sehr guter Mann, und er wird weiterhin gute Arbeit leisten.« Zudem seien in der Gruppe überhaupt keine geheimen Informationen ausgetauscht worden, so Trump. Auch Waltz selbst versuchte, den schweren Fehltritt abzutun, indem er Goldberg angriff. »Es gibt viele Journalisten in dieser Stadt, die sich einen großen Namen gemacht haben, indem sie Lügen über diesen Präsidenten erfunden haben«, sagte er. Den Journalisten, der diese Geschichte verbreitet habe, habe er noch nie getroffen. »Ich kenne ihn nicht, habe nie mit ihm kommuniziert.« Derzeit werde untersucht, »wie zum Teufel« er in den Gruppenchat gekommen sei. Angesichts der brisanten Inhalte hatte sich das Weiße Haus bereits davor bemüht, den Vorfall politisch umzudeuten. In einer E-Mail war von einem »koordinierten Versuch« die Rede, vom Erfolg der Trump-Regierung abzulenken. Sprecherin Karoline Leavitt erklärte, entscheidend sei, dass »Terroristen getötet« worden seien. Nach Angaben der Huthi kamen bei den Luftangriffen Mitte März mindestens 53 Menschen ums Leben. Während das Weiße Haus abwiegelte, gerieten zwei Spitzenbeamte bei einer Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats sichtlich in Erklärungsnot. Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard und CIA-Direktor John Ratcliffe sahen sich scharfen Nachfragen der demokratischen Opposition ausgesetzt: Wie konnte ein Journalist überhaupt in die Gruppe gelangen? Warum nutzten Spitzenbeamte eine zwar verschlüsselte, aber privat betriebene App wie Signal für potenziell sicherheitsrelevante Kommunikation? Und wie geheim waren die Informationen, die dort geteilt wurden? Während der teils hitzigen Anhörung wollte Gabbard nicht einmal direkt bestätigen, dass sie überhaupt Teil des Gruppenchats war. Ratcliffe hingegen räumte dies ein – und antwortete auf die Frage, ob neben ihm, Vizepräsident J.D. Vance, Verteidigungsminister Pete Hegseth, Außenminister Marco Rubio und anderen auch Gabbard in der Chatgruppe gewesen sei: »Ich glaube ja.« Die Geheimdienstkoordinatorin versicherte mehrfach, dass in dem Chat keine als vertraulich eingestuften Informationen ausgetauscht worden seien. Ratcliffe betonte, seine eigenen Beiträge seien »völlig zulässig« gewesen und hätten »keine Verschlusssachen« enthalten. Doch als es um konkrete Inhalte ging, blieben beide vage. Wie diese Darstellung mit dem »Atlantic«-Artikel zusammenpasst, wonach Hegseth am Morgen eines US-Luftschlags in der Chatgruppe einen detaillierten Einsatzplan geteilt haben soll, blieb offen. Weder Gabbard noch Ratcliffe wollten diese Schilderung bestätigen. Sie gaben an, sich an entsprechende Details nicht zu erinnern oder verwiesen an andere Stelle: Zuständig sei das Pentagon. Dem demokratischen Senator Mark Warner platzte schließlich der Kragen. Es könne nicht beides stimmen – dass keine vertraulichen Informationen ausgetauscht worden seien und gleichzeitig jede Auskunft über die Inhalte verweigert werde. »Verblüffend« sei zudem, dass niemand bereit sei, einen Fehler einzugestehen. Der Demokrat zeigte sich außerdem entrüstet über den Tonfall gegenüber europäischen Partnern im Chatverlauf. Abscheu vor »europäischem Schmarotzertum« Tatsächlich zeigen die vom »Atlantic« veröffentlichten Auszüge aus dem Gruppenchat eine bemerkenswerte Geringschätzung Europas. So wird etwa Vance mit den Worten zitiert: »Ich hasse es einfach, Europa wieder aus der Klemme zu helfen.« Ein weiterer Teilnehmer, bei dem es sich um Hegseth handeln soll, antwortet: »Ich teile voll und ganz deine Abscheu vor dem europäischen Schmarotzertum. Das ist erbärmlich.« Trump stützte diese Sichtweise später. Auf die Frage eines Journalisten, ob er eine Aussage in einem geheimen Gruppenchat teile, wonach die Europäer schmarotzten, sagte Trump: »Wollen Sie wirklich eine Antwort?« Dann fuhr er fort: »Ja, ich denke, sie haben schmarotzt. Die Europäische Union war absolut schrecklich zu uns im Handel, schrecklich.« Ein Ziel der massiven US-Luftangriffe auf Huthi-Stellungen Mitte März war nach US-Angaben, die Schifffahrtswege wieder sicherzumachen. Der Nutzer, der Vance sein soll, äußerte daran zunächst Zweifel: Nur drei Prozent des US-Handels liefen über den Suezkanal, während der europäische Anteil bei 40 Prozent liege. Die amerikanische Öffentlichkeit könne den Einsatz womöglich nicht nachvollziehen. Die von Iran unterstützte Huthi-Miliz greift seit Beginn des Gazakrieges vor rund eineinhalb Jahren immer wieder Schiffe im Roten Meer oder im Golf von Aden an. Die Passage durch das Rote Meer und den Suezkanal ist für Frachtschiffe die kürzeste Verbindung zwischen Asien und Europa. Vance und Hegseth spielten in dem Chat darauf an, dass Europa davon profitiere, wenn die USA die dortigen Schifffahrtswege sicherten. Auch Trump teilte später auf Nachfrage die Einschätzung, dass Europa schmarotze – allerdings nicht in einem Geheimchat, sondern ganz offen bei einem Pressetermin.