Sunday, April 20, 2025
FAS-Kolumne „Kritik und Krise“ von Carolin Amlinger: Make America noch kaputter, damit es heilt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
FAS-Kolumne „Kritik und Krise“ von Carolin Amlinger: Make America noch kaputter, damit es heilt
Carolin Amlinger • 42 Mio. • 2 Minuten Lesezeit
Schon vor dem Zollchaos wuchs die Unzufriedenheit in der amerikanischen Bevölkerung über Trumps Wirtschaftsagenda, die fast einem Akt ungesteuerter Zerstörungswut gleicht. Nur ein Viertel der Amerikaner erwartet noch, dass sich ihre finanzielle Lage in den nächsten Jahren verbessern wird, die große Mehrheit blickt pessimistisch in die Zukunft. Die USA ist eine Gesellschaft des allgegenwärtigen Niedergangs, in der sich der Horizont zukünftiger Fortschritte verdunkelt hat.
Trump prahlte in seiner Antrittsrede im Kapitol, dass man unter seiner Führung mit Neid auf die USA blicken würde. Nur wenige Monate später überwiegt die Fremdscham selbst bei jenen, die Trump wegen ihrer Frustration über die steigenden Preise gewählt haben. Umso interessanter ist, wer Trump noch Bewunderung zollt. Die MAGA-Anhänger stimmen seiner Wirtschaftspolitik ungebrochen in astronomisch hohem Ausmaß zu, wie die „Financial Times“ berichtet. Und das, obwohl ihr Leben von Trumps Flut der Erneuerung überschwemmt wird.
Sie sind absonderliche Exemplare des homo oeconomicus, der eigentlich rational aufgeklärt die Option mit dem höchsten erwarteten Nutzen wählt. Die MAGA-Republikaner treffen irrationale Entscheidungen, die ihnen den maximalen Schaden bringen. In Gesellschaften nach dem Fortschritt wird ökonomisches Handeln häufig von Mustern geprägt, die sich eher mit einer „Irrational Choice Theory“ beschreiben lassen. Diese müsste erklären, warum Menschen sich manchmal entgegen ihrer Interessen verhalten.
Widersprüchliche, konsequente Zerstörung
Denn hinter dem irrationalen Wirtschaftshandeln verbergen sich konsistente Muster. Das Handeln der MAGA-Anhänger ist insofern widerspruchsfrei, weil es den Regeln der Disruption folgt: Das Alte muss untergehen, bevor das Neue entstehen kann. Das Muster schöpferischer Zerstörung ist widersprüchlich und gleichzeitig konsequent: Die akute Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage wird zum Ausweis baldiger Verbesserung.
Das ökonomische Handeln der MAGA-Republikaner ist rational und irrational in gleichem Maße: Die Heilung setzt eine Verwundung voraus, und die Erlösung folgt erst nach dem Schmerz. Sie sind damit vielleicht die letzten Gläubigen des Fortschritts. Eines Fortschritts aber, der sich Zukunft nur noch dunkel vorstellen kann. Und seine Gewinne auf Verlusten aufbaut.