Thursday, February 13, 2025
Nach „Hofnarr“-Skandal um Scholz: „Gegen diese Aussage kann man nichts haben, denn es stimmt“
Berliner Zeitung
Nach „Hofnarr“-Skandal um Scholz: „Gegen diese Aussage kann man nichts haben, denn es stimmt“
Artikel von Sophie-Marie Schulz • 2 Std. • 2 Minuten Lesezeit
Publizistin und taz-Journalistin Ulrike Herrmann verteidigte bei der ARD-Sendung „Maischberger“ Bundeskanzler Olaf Scholz.
Hat Bundeskanzler Olaf Scholz Berlins Kultursenator rassistisch beleidigt? Nachdem Focus Online über einen Vorfall berichtete, bei dem Scholz mit einem Weinglas bewaffnet CDU-Politiker Joe Chialo als „Hofnarr“ und „schwarzes Feigenblatt“ bezeichnet haben soll, wird mit Beschuldigungen und Rücktrittsforderungen um sich geworfen. Der Vorfall soll sich vor zehn Tagen ereignet haben.
Wenige Stunden nach Bekanntwerden des Skandals verteidigte taz-Journalistin Ulrike Herrmann den Kanzler. Sie habe jedoch erst einmal nachschauen müssen, „was ein Hofnarr ist“, sagt sie, und herausgefunden, dass Hofnarren im „16. bis 18. Jahrhundert“ angesehene „Figuren“ waren und die „Meinung des Volkes dem Herrscher in Form von Witzen“ nähergebracht haben. „Auf jeden Fall hat Hofnarr überhaupt nichts mit Rassismus zu tun“, fügt Herrmann hinzu und schiebt eine Äußerung hinterher, die bei den anderen Talkgästen für Verwirrung sorgte.
„Aber es ist nicht so, dass Sie glauben, dass Olaf Scholz dem Herrn Chialo ein Kompliment gemacht hat?“, hakte Sandra Maischberger etwas irritiert nach. Herrmann verneinte erst und erklärte dann, dass „man ja unterscheiden muss zwischen einer nicht freundlichen Beleidigung und Rassismus.“ Zudem glaube sie zu wissen, was der Kanzler eigentlich meinte: „Was Scholz sagen wollte, war: ‚Auch, wenn es liberale Köpfe in der Union gibt, ist die gesamte Union eigentlich auf dem Weg nach rechts.‘ Gegen diese Aussage kann man nichts haben, denn das stimmt.“
Moderator Theo Koll und Zeit-Journalistin Mariam Lau, die ebenfalls eingeladen wurden, schwiegen für einen kurzen Augenblick, dann ergriff Lau das Wort. „Wenn er (Scholz) sein Gegenüber respektiert hätte, dann hätte er nicht Feigenblatt gesagt.“ Theo Koll störte sich vor allem an der Bezeichnung Hofnarr und ließ die von Herrmann kritisierte Rassismus-Debatte außen vor. „Einen politischen Mitbewerber als Hofnarr zu bezeichnen, finde ich in jedem Fall unangemessen.“
Auf der Plattform X äußerte sich Olaf Scholz zu den Vorwürfen und schrieb unter anderem: „Der erhobene Vorwurf des Rassismus ist absurd und künstlich konstruiert.“ Einen Tag später teilte Chialo der Bild mit, dass der Kanzler ihn angerufen habe. Im Telefonat soll Scholz gesagt haben, er bedauere es, dass seine Aussagen als rassistisch verstanden wurden. Berlins Kultursenator habe diese Aussage zur Kenntnis genommen.